Olympische Weihen für Luana Rodefeld

Luana Rodefeld im Einsatz mit dem Team der Bender Baskets Grünberg in der 2. DBBL
Luana Rodefeld im Einsatz mit dem Team der Bender Baskets Grünberg in der 2. DBBL

Nachwuchs-Spielerin des Grünberger Internats einzige heimische Teilnehmerin an Jugend-Olympiade

Wer nach der Basketball-Hochburg Mittelhessens gefragt wird, dessen Antwort dürfte nicht selten „Grünberg“ lauten. Denn neben einer langen und erfolgreichen Basketball-Tradition zeichnet sich die Stadt vor allem durch eine intensive Förderung des weiblichen Nachwuchses aus. Zu dem gehört auch Luana Rodefeld. Mit 13 Jahren zog sie aus ihrem Elternhaus in Oberursel in Hessens erstes Basketball Teil- und Vollzeitinternat (BTI) nach Grünberg. Von hier aus begeistert die heute 17-Jährige mit den Bender Baskets und dem Team Mittelhessen nicht nur auf nationaler Ebene. Auch bei internationalen Turnieren, wie jüngst der U18-B-Europameisterschaft in Rumänien, stellt sie immer wieder ihre Spielstärke unter Beweis. Ein Lohn des sportlichen Engagements: Luana Rodefeld ist die einzige mittelhessische Teilnehmerin an den vor der Tür stehenden Olympischen Jugendspielen im chinesischen Nanjing.

Angefangen hat die Basketball-Karriere der Wahl-Grünbergerin aber lange vor ihrem Umzug in die Gallusstadt. Man könnte fast sagen, dass Luana Rodefeld das Basketballspielen in die Wiege gelegt wurde. Schmunzelnd erinnert sie sich in diesem Zusammenhang an ihre Anfänge in dieser Sportart: „Da meine Eltern früher selbst Basketball gespielt haben, war ich als kleines Kind oft mit in der Halle und bin da quasi so reingerutscht.“ Zum Glück sollte aus diesem „Reinrutscher“ jedoch alles andere als ein Ausrutscher werden. Das bewies sie schon während ihrer Zeit beim MTV Kronberg, bei dem sie von ihrem siebten bis 15. Lebensjahr spielte. Später unterstützte sie dank Doppellizenz auch die HTG Bad Homburg, wo sie in der U17-Oberliga erstmals mit älteren Spielerinnen auf Korbjagd ging. Als Luana dann im Hessenkader spielte, wurde Eberhard Spissinger, Landestrainer und sportlicher Leiter des BTI, schließlich auf sie aufmerksam. „,Ebi‘ hat mir vom DBB-Leistungsstützpunkt und dem BTI in Grünberg erzählt“, berichtet die Spielerin: „Und da ich mich in der WNBL weiterentwickeln wollte, habe ich mich entschieden, diesen Schritt zu gehen.“

Und es war ein großer Schritt. Zunächst einmal ein Schritt weg von ihrer Familie. Das sei ihr gerade am Anfang schwergefallen: „Natürlich hatte ich in der ersten Zeit etwas Heimweh“, sagt Luana Rodefeld, „das hat sich dann aber schnell eingespielt.“ Zudem kamen Eltern und Schwester zu jedem Heimspiel, um sie anzufeuern. Daran habe sich bis heute nichts geändert. Und gerade dieser Rückhalt ist ihr wichtig: „Schließlich ist es immer etwas anderes, wenn die Familie da ist, um einen anzufeuern.“

Der Schritt nach Grünberg war für die Schülerin der Theo-Koch-Schule aber auch ein Schritt in Richtung Selbstständigkeit. So versorgen sich die fünf Spielerinnen in der WG selbst, gehen Einkaufen, kochen zusammen und haben einen gemeinsamen Putzplan. Dass neben Training und Haushalt trotzdem die Schule an oberster Stelle steht, dafür sorgt die wohldurchdachte Organisation des BTI. Die Trainingseinheiten werden ausschließlich in die Freistunden gelegt und Birte Schaake hält als Lehrerin mit Trainerstelle stets Rücksprache mit ihren Kollegen, damit die schulischen Leistungen nicht unter dem vollen Terminplan der jungen Spielerinnen leiden. „Die Schule geht auch hier vor“, erklärt Luana Rodefeld: „Und wenn es sein muss, dann muss eben auch mal ein Training ausfallen.“ Das sei aber äußerst selten der Fall.

Daher war der Schritt nach Grünberg für die junge Spielerin in erster Linie ein Schritt nach vorne auf ihrem Erfolgsweg. Erst in der vergangenen Saison wurde sie mit dem Team Mittelhessen WNBL-Vizemeisterin in der U17-Bundesliga. Und auch international geht es für Luana Rodefeld seither hoch hinaus. Bereits auf zwei EM-Teilnahmen kann die gebürtige Oberurselerin zurückblicken. Besonders in Erinnerung bleibe ihr aber ihr erstes Länderspiel, ein Freundschaftsspiel gegen Frankreich. „Ich war damals so aufgeregt, dass ich ständig auf Toilette musste“, berichtet die 1,74 Meter große Korbjägerin, „und das ausgerechnet beim Warm-Up.“ Zum Glück, wie sie schmunzelnd hinzufügt, sei sie damals aber nicht die Einzige gewesen.

Ebenfalls nicht allein ist Luana bei der bevorstehenden Jugendolympiade in Nanjing/China (16. bis 28. August), für deren Teilnahme sich das Basketballtalent aus Mittelhessen in einem 3-gegen-3-Try-Out qualifiziert hat. Auch hier wird die 17-Jährige durch ihr Können beeindrucken und – wer weiß – vielleicht sogar olympisches Gold nach Grünberg bringen.